Ferdinand Schäfer

Es war einmal vor langer Zeit die Firma Ferdinand Schäfer, Kunststoffverarbeitung in Detmold-Losbruch. Ferdinand Schäfer arbeitete bereits in den 50er Jahren mit dem Werkstoff Kunstoff. Es wurden Lampen, Möbel und Behälter bis zu einem Fassungsvermögen von 20.000 Litern (Swimmingpools) angefertigt. Ab 1958 beschäftigte sich Herr Schäfer mit dem Gedanken auch Caravans aus Polyester zu fertigen.

Herr Schäfer war mit seiner Idee aber nicht alleine. Ihm zuvor gekommen war Franz Mahly aus Thiefenhagen im Ruhrgebiet. Herr Mahly entwickelte den ersten deutschen Caravan aus Kunststoff und brachte ihn bereits 1957 auf den Markt. Aus diesem Grunde wurde zur damaligen Zeit Maly auch als Polyesterapostel bezeichnet.

Der erste Caravan dieser Firma wurde FATHI 600 LUXUS genannt, in Anlehnung an: Fahrzeugbau Thiefenhagen. Es war ein leichter Wagen bei einer Aufbaulänge von 4,4 m wog er mit Bremse ca. 490 kg und besaß ein zulässiges Gesamtgewicht von 770 kg. Die allseits gerundete Form bedingte gewölbte Plexiglasscheiben. Da der Caravanabsatz schleppend verlief, verlegte Maly die Produktion an den Bodensee zur Firma Schneider in Lindau, eigentlich ein holzverarbeitender Betrieb. 1960 vergab Schneider eine Lizenz nach Hengelo in den Niederlanden, wo die am Bodensee produzierten Polyesterteile zusammengebaut wurden.

Heute noch existiert diese niederländische Firma und baut unter dem Namen Biod immer noch erfolgreich Kunststoffcaravans.

Ferdinand Schäfer wollte nichts weiter, als den besten Polyester-Caravan auf den Markt zu bringen. Er hatte genug Erfahrung mit dem Material gesammelt. Wahrscheinlich hat er auch die Fahrzeuge der Konkurrenz begutachtet, und ihm war daher klar, wie er deren Schwachstellen vermeiden konnte.

Schäfer beschrieb die konstruktionsbedingten Vorteile seines Suleica wie folgt:

Durch die materialgerechte Formgebung und eine besondere Tragbodenprofilierung ist das ganze Gehäuse selbsttragend und ohne versteifenden Innenausbau verwindungsfrei mit nur 6 Bolzen auf dem FahrgesteII verschraubt.

1961 war der erste fahrbereite Prototyp fertig, und 1962 wurde die Serienproduktion aufgenommen.

Fritz B. Busch

Fritz B. Busch war ein bekannter Auto-Journalist und schrieb nicht nur für Auto, Motor und Sport, Stern, Quick und Motor Klassik, sondern verfasste auch Bücher. Von ihm ist z.B das Buch Kleine Wohnwagen-Fibel: Alles über Caravans.

Herr Busch war selbst Camper und hatte schon immer den Finger am Puls der Zeit. Er hatte zu Ferdinand Schäfer in der Planungs/Prototypen-Phase Kontakt. Beide tauschten sich aus und Herr Busch besuchte auch die Produktionsstätten. Fritz B. Busch schrieb bereits in der Januar-Ausgabe 1962 der AMS über Suleica einen Artikel mit der Überschrift “SULEICA 430 – Leichtes Mädchen mit Zukunft”:

Wenn diese großartigen Materialeigenschaften mit dem Können eines erfahrenen Polyesterverarbeiters zusammentreffen, dann entsteht eine sehr günstige Konstellation. Wenn dieser gut fundierte kunststoffverarbeitende Betrieb darüber hinaus Wohnwagenfachleuten offene Ohren schenkt, dann entsteht daraus ein Wohnwagen über den man ernsthaft reden sollte.

Ich bin im Begriff, es zu tun. Dass ein 4,30 m langer, 2 m breiter, innen mit 2,05 m lichter Höhe ausgestatteter komfortabel eingerichteter Wohnwagen nur 580 kg wiegt, das war noch nicht da. Der von mir ausgemessene und gewogene Prototyp soll aber in Serie noch ca. 20. kg leichter werden.

Es kann wohl keinen Zweifel geben, dass er sich selbst meint, mit “Wohnwagenfachleuten, denen offene Ohren geschenkt werden”.

Busch hatte – so ist es überliefert – die Idee, die zur Aussteifung gedachte Dachform dazu zu nutzen, dort Laternenfenster einzubauen.

Wir verdanken Fritz B. Busch allerdings nicht nur die wunderschönen Laternenfensterchen, sondern auch den Namen SULEICA. Es soll es gewesen sein, der den damals noch namenlosen Prototypen auf den Namen Suleica taufte. Suleica, der SUperLEIchtCAravan.

Das Patent

Aufgrund äußerer Ähnlichkeiten mit dem Caravan der Reihe FAHTI, soll es zu gerichtlichen Auseinandersetzungen gekommen sein. 1962 lies sich Schäfer deswegen sein SUperLEIchtCAravan patentieren. Am 22.Juni 1962 wurde die Auslegeschrift mit der Nummer 1 430 311 beim Deutschen Patentamt angemeldet. Es gab später auch Patente im Ausland.

Auszug aus der Patent-Schrift:
Die Erfindung bezieht sich auf ein Wohnfahrzeug, insbesondere auf einen Wohnanhänger, mit einem selbsttragendem Kunstsstoffgehäuse, vorzugsweise aus Polyester, und nach außen gewölbten sowie mit Versteifungs- oder Verstärkungsrippen ausgestatteten Wand- und/oder Dachflächen.

Die bisher in verschiedenen Ausführungsformen bekannten Wohnanhänger mit Kunststoffgehäuse sind verhältnismäßig schwer, da auf Grund unzureichender Eigenstabilität des Gehäuses eine gewichtsmäßig schwere Chassiskonstruktion erforderlich und/oder das Gehäuse mit zusätzlichen versteifenden und mittragenden Verstärkungselementen aus Metall und/oder versehen bzw. verbunden ist. Da ein Wohnanhänger vorwiegend an einen Personenkraftwagen als Zugfahrzeug angehängt wird, sollte auch bei größerem Nutzfahrzeugen sein Eigengewicht gering sein, um auch von Fahrzeugen mit schwächeren Motoren sicher bewegt werden zu können. Selbsttragende Kunststoffkarosserien für Wohnwagen sind bisher noch nicht bekannt.

Aufgabe der Erfindung ist es, ein verbessertes Wohnfahrzeug, insbesondere Wohnanhänger, mit Kunststoffgehäuse zu schaffen, daß bei einfachem und gewichtsmäßig leichtem Aufbau eine große Verwindungssteifigkeit und Steifigkeit besitzt.

Gemäß der Erfindung wird diese Aufgabe dadurch gelöst, dass das Kunststoffgehäuse einen in sich geschlossenen Rahmen aus mehreren, durch die Rad- und Deichselkästen miteinander verbundenen Rohrstücken mit elipsenförmigem Querschnitt und zwei im Abstand übereinander angeordnete, auf den Rohrstücken des Rahmens aufliegende und mit diesen zu einem Werkstück verbundene Böden aufweist.

Ein erfindungsgemäß ausgebildeter Wohnanhänger ist trotz gewichtsmäßig leichtem Aufbau knickfest und verwindungssteif. Auf Grund der geschlossenen Rahmenkonstruktion ist bei der Verwendung als Wasserfahrzeug ein vorteilhafter Luftraum im Bodenbereich vorhanden, der den Auftrieb begünstigt. Der doppelte Boden hat gute Isoliereigenschaften und der darin eingeschlossene Luftraum, der auch ausgeschäumt sein kann, bewirkt ebenfalls einen vorteilhaften Auftrieb.

Durch das Entfallen jeglichem Gerüstes läßt sich die freitragende Karosserie schnell fertigen. Mit nur wenigen Standardwerkzeugen (Formen) lassen sich verschiedene große Ausführungen herstellen. Der erfindungsgemäße Wohnwagen ist verwindungssteif und kann eine lange Lebensdauer haben.

Wie aus den Unterlagen des Patentamtes hervorgeht, war der Bau von 340er und 430er Modelle 1961 geplant. Marktreife erzielte aber letztendlich zuerst nur das 430 er Modell.

 

Zeichnungen aus Patenschrift / Gebrauchsmuster:

Suleica 340 - Zeichnung aus Patentschrift

Suleica 340 – Zeichnung aus Patentschrift

Suleica 430 - Zeichnung aus Patentschrift

Suleica 430 – Zeichnung aus Patentschrift

Suleica 430 - Zeichnung aus Gebrauchsmuster

Suleica 430 – Zeichnung aus Gebrauchsmuster

Wie aus den obigen Entwurf-Skizzen zu erkennen ist, gibt es erhebliche Unterscheide zu den tatsächlich gebauten Modellen. So wurde die einteilige Türe nicht links, wie in der Skizze, sondern rechts angeschlagen, was bei vielen 430 ́ern aufgrund der Krafteinwirkung zu Komplikationen führte. Die Türe sollte zuerst auch zweiteilig hergestellt werden, durch Gummiprofile zum Fahrzeug wasserdicht verschließbar. Die Fenster haben in den Zeichnungen sehr schmale Rahmen und die Radkästen fehlen.

 

Auszug aus der Gebrauchsmusteranmeldung von 1961:
Zweckmäßig ist die Karosserie durch etwa in halber Höhe angeordnete gürtelähnliche Verstärkungen versteift; weiterhin kann sie durch eine stufenförmige Ausbildung in ihrer Längsrichtung verstärkt werden. Auch kann die Decke durch eine sich von den Dachseiten abhebende, beispielsweise rechtwinklig zu einer Verstärkungsrippe verlaufende Dachrippe verstärkt sein. Die gürtelähnliche Verstärkung zieht sich in halber Höhe in horizontaler Ebene um den gesamten Wohnwagen herum. An vorderen Ende ist diese Verstärkung etwas schwächer gestaltet und ausgespart, um an dieser Stelle einem relativ weit heruntergezogenen Vorderfenster Platz zu bieten. Der untere Bereich des Wohnwagens ist stufenweise ausgebildet und erhält dadurch eine zweckmäßige, zusätzliche Stabilität.

In den Gebrauchsmusteranmeldungen 1961 und 62 wird immer auf die Benutzung als Wasserfahrzeug eingegangen, wozu die zweckmäßig außerhalb der Wanne od. dgl. liegende Fahrzeugachse wasserdicht ausgebildet wird. Da als Wasserfahrzeug das Gehäuse einen gewissen Tiefgang hat, ist es besonders vorteilhaft, die Tür des Gehäuses zweiteilig auszubilden, wobei der untere Teil wasserdicht verriegelt werden kann. Hierzu kann es zweckmäßig sein, die Tür mit Gummidichtungen od. dgl. auszustatten. Der obere Teil der Tür kann dann unabhängig von dem unteren Teil der Tür geöffnet oder geschlossen werden.

Die Produktion

Der erste Prototyp wurde 1961 gefertigt. Im Jahr 1962 lief die Serienproduktion des Suleica 430 an. Der Prototyp unterschied sich noch in Details vom späteren Serienmodell und hatte z.B. andere Rückleuchten und einen auffälligen Überhang am Bug.

In den Produktionsstätten wurde alles aus einer Hand gefertigt. Am Anfang stand eine Form, mit deren Hilfe Suleica laminiert werden konnte.

Suleica - Prototyp - Bau der Urform

Suleica – Prototyp – Bau der Urform

Nachdem Suleica mit Hilfe der Urform mit GFK / Polyester laminiert wurde, konnte man die allererste ausgeschalte Suleica-Hülle bewundern.

Suleica - Prototyp - ausgeschalt

Suleica – Prototyp – ausgeschalt

Anschließend wurde in Suleica viel Handarbeit investiert, um diesen auf die Straße zu bringen.
Es mussten an äußeren, aber natürlich auch an inneren Werten gearbeitet werden.

außen:
Die Kotflügel mussten nachträglich angebracht werden. Es wurden Öffnungen für die Laternenfenster gesägt. Dichtungen, Fenster (doppeltverglastes Plexiglas) und die Beleuchtung mussten montiert werden. Als Fahrgestell wurde bei fast allen Suleica Fahrgestelle der Firma Hahn verbaut. Die Fahrgestelle verfügten über eine Drehstabfederung und eine Auflaufbremse. Die ersten Suleica erhielten 800kg-Achsen, später wurden ab Werk auch 1000kg- und 1200kg-Achsen eingebaut.

innen:
Die Hülle wurde mit Styropor gedämmt, auf dem dann atmungsaktives Stepptex als Verkleidung aufgeklebt wurde. Für die Möbel verwendete man im Wesentlichen dünnes Birkensperrholz. Spüle und Kocher gehörten zur Standardausrüstung, Kühlschrank und Gasheizung dagegen waren Sonderzubehör.

Suleica - Prototyp - fahrbereit

Suleica – Prototyp – fahrbereit

Das Ende

Bis 1974 wurden die Suleica 500-Modelle in Detmold gefertigt. April 1974 brannte die Werkhalle aus (alle Werkzeuge, die benötigt werden zum Zusammenbau der Einzelschalen, wurden ein Opfer der Flammen), was einen enormen finanziellen und materiellen Schaden bedeutete. Die Fertigung der Laminatschalen war 1972 auch für kurze Zeit zudem nach Ungarn verlegt worden. Ebenfalls 1974 schied der bisherige Firmeninhaber, Ferdinand Schäfer, aus seinem Unternehmen aus. Die Ölkrise 1974, die eingetretene finanzielle Schieflage des Unternehmens und ein verändertes Käuferverhalten setzte der Fa. Schäfer zu. Der letzte uns bekannte Wohnwagen der Reihe Suleica 500 (es handelt sich hier um einen Rally 70) datiert aus dem Jahr 1974. 1974/1975 versuchte die Fa. Schäfer noch einmal durch einen Modelwechsel auf die Beine zu kommen. Geplant waren der Suleica 2000 und der Suleica TQ. Von diesen Modellen sind aber nur jeweils ein Caravan gebaut worden. Daher kann gesagt werden, dass die Firma Schäfer die Wohnwagenproduktion 1975 völlig eingestellt hat. Die Nachfolgefirma, die Teutoburger Fahrzeug- und Gerätebaufirma, kurz TFG, führte zwar den Bau des Orion-Wohnmobils weiter, die Produktion der Suleica-Caravans wurde aber nicht mehr aufgenommen. 1987 wurde auch die Produktion der Orionbaureihe eingestellt. Das BMW-Autohaus Depping in Detmold betreute fortan die Suleica- und Orion-Besitzer, später übernahm Herr Hermann Diehl diese Aufgabe, vor allem die Versorgung mit Ersatzteilen.

Wieviele Suleica jemals gebaut wurden ist nicht klar. Je nach Quelle geht von man von 450-800 gebauten Suleica aus.

Auch wenn der letzte Suleica vor über 40 Jahren das Licht der Welt erblickt hat, gilt (heute wahrscheinlich noch mehr als damals), dass der Suleica Caravan etwas ganz Besonderes ist. Eine exotische Schönheit wie aus einem Märchen aus tausendundeine Nacht, deren Eleganz und Anmut von keinem neuzeitlichen Wohnwagen auch nur im Ansatz erreicht wird.

Suleica - Plakette

Suleica – Plakette